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Letzte Aktualisierung: Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

WPS Vorlage & Muster nach ISO 15609-1

Eine vollständig ausgefüllte Schweißanweisung (WPS) als Vorlage — für MAG-Schweißen an S355J2, inklusive aller Pflichtfelder nach ISO 15609-1. Direkt verwenden, im Online-Editor anpassen oder als PDF herunterladen.

Ausgefülltes Muster einer WPS

Das folgende Muster zeigt eine vollständig ausgefüllte Schweißanweisung nach ISO 15609-1 für das MAG-Schweißen an S355J2. Es eignet sich als Vorlage für vergleichbare Schweißaufgaben im Stahl- und Maschinenbau — konkrete Parameter (Strom, Spannung, Geschwindigkeit) müssen vor dem Einsatz am eigenen Bauteil durch eine Verfahrensprüfung (WPQR nach ISO 15614-1) qualifiziert sein.

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           SCHWEIßANWEISUNG (WPS)
           nach ISO 15609-1
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1. HERSTELLERANGABEN
   Firma:        [Firmenname gemäß FPC]
   WPS-Nr.:      WPS-MAG-S355-001
   Erstellt:     [Datum]
   Revision:     0
   Freigabe:     _________________ (Unterschrift Schweißaufsicht IWE/IWT/IWS)

2. SCHWEIßVERFAHREN
   Verfahren:         135 (MAG-Schweißen) nach ISO 4063
   Mechanisiert:      Nein (Handschweißen)
   Nahtart:           Stumpfnaht (BW) und Kehlnaht (FW)
   Einlagig/Mehrlagig: Mehrlagig

3. GRUNDWERKSTOFF
   Material 1:    S355J2 (EN 10025-2), Gruppe 1.2 nach ISO/TR 15608
   Material 2:    S355J2 (EN 10025-2), Gruppe 1.2 nach ISO/TR 15608
   Dickenbereich: 5 - 20 mm (Stumpfnaht)
                   3 - 12 mm (Kehlnaht, a-Maß 3-7 mm)

4. SCHWEIßZUSATZ
   Norm:          ISO 14341-A
   Typ:           G 42 4 M21 3Si1 (Drahtsorte G3Si1)
   Durchmesser:   1,0 mm
   Lagerung:      Trocken, > 5 °C, rel. Luftfeuchte < 60 %

5. SCHUTZGAS
   Typ:           M21 (Ar + 18 % CO₂) nach ISO 14175
   Durchfluss:    12 - 15 l/min

6. SCHWEIßPOSITIONEN
   PA, PB (Stumpfnaht)
   PA, PB, PF (Kehlnaht)

7. SCHWEIßPARAMETER (Bereich nach WPQR)
   Strom (Lage 1):     160 - 200 A
   Spannung:           22 - 26 V
   Drahtvorschub:      5,0 - 6,5 m/min
   Vorschubgeschw.:    25 - 40 cm/min
   Streckenenergie E:  0,8 - 1,8 kJ/mm
   Pendelbewegung:     keine (Stumpfnaht), 3-4 mm Amplitude (Kehlnaht)

8. VORWÄRM-/ZWISCHENLAGENTEMPERATUR
   Vorwärmtemperatur:  betriebseigener Wert, ermittelt nach EN 1011-2,
                        Anhang C (Beispielwert hier: ≥ 20 °C) — nicht
                        ungeprüft übernehmen
   Zwischenlagentemp.: ≤ 200 °C (Stumpfnaht) / ≤ 250 °C (Kehlnaht)

9. WÄRMEBEHANDLUNG NACH DEM SCHWEIßEN (PWHT)
   Nicht erforderlich für S355J2 in dieser Konfiguration.

10. QUALIFIZIERUNG / WPQR-ABGLEICH
    Diese WPS wird durch folgende WPQR qualifiziert:
    WPQR-Nr.:      WPQR-MAG-S355-2025-04
    Ausgestellt:   SLV / akkreditierte Prüfstelle
    Geltungsbereich: siehe WPQR nach ISO 15614-1

11. GENEHMIGUNG
    Erstellt:           _________________  Datum: ____.____.________
    Geprüft (IWE):      _________________  Datum: ____.____.________
    Freigegeben:        _________________  Datum: ____.____.________

Pflichtfelder nach ISO 15609-1

Die ISO 15609-1 gibt einen verbindlichen Rahmen vor, welche Angaben eine Schweißanweisung enthalten muss (Pflichtfelder) und welche ergänzend empfohlen werden. Die folgende Übersicht fasst den vollständigen Pflichtinhalt für Lichtbogenschweißverfahren zusammen.

  • Hersteller- und Identifikationsangaben: Firmenname, WPS-Nummer, Revision, Datum, Freigabe durch Schweißaufsichtsperson
  • Schweißverfahren: Verfahrensnummer nach ISO 4063 (111/121/131/135/141/...), Einlagen-/Mehrlagenausführung
  • Grundwerkstoff: Werkstoffbezeichnung, Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Dicken- und Durchmesserbereich
  • Schweißzusatz: Norm, Typ, Durchmesser, Lagerungsbedingungen
  • Schutzgas: Klassifikation nach ISO 14175 (z. B. M21, I1) und Durchflussbereich
  • Schweißpositionen: PA, PB, PC, PD, PE, PF, PG, J-L (für Rohre) — zulässige Positionen aus der WPQR ableiten
  • Schweißparameter: Strom, Spannung, Vorschubgeschwindigkeit, Streckenenergie (Bereiche, keine Festwerte)
  • Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur: Mindest-Vorwärmtemperatur, maximale Zwischenlagentemperatur
  • Wärmenachbehandlung (PWHT): falls zutreffend, Temperatur, Haltezeit
  • Verweis auf qualifizierende WPQR: Verfahrensprüfzeugnis nach ISO 15614-1 (für Stahl)

Eine ausführliche Erläuterung jedes Pflichtfelds mit Praxisbeispielen finden Sie auf unserer ISO 15609-1-Übersichtsseite.

Pflicht: Abgleich mit gültigem WPQR

Eine WPS ist erst dann normkonform einsetzbar, wenn sie durch mindestens eine gültige WPQR (Verfahrensprüfzeugnis nach ISO 15614-1 für Stahl) gedeckt ist. Die WPS legt fest, was geschweißt werden soll; die WPQR weist nach, dass es funktioniert.

Praktische Konsequenzen:

  • Werkstoff, Dickenbereich und Schweißposition der WPS müssen innerhalb des Geltungsbereichs (Gültigkeitsbereich) der qualifizierenden WPQR liegen.
  • Schweißt der Betrieb regelmäßig Werkstoffkombinationen, die durch die vorhandenen WPQR nicht abgedeckt sind, muss eine neue Verfahrensprüfung beauftragt werden — typischerweise beim SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt) oder einer anderen akkreditierten Prüfstelle.
  • Im Audit nach EN 1090 wird der WPQR-Abgleich regelmäßig geprüft. Wer ohne gültigen WPQR-Abgleich produziert, riskiert die Zertifizierung — und damit das CE-Kennzeichen am Bauteil.

Ob eine bestehende WPQR noch das abdeckt, was Sie schweißen wollen, prüfen Sie mit unserem WPQR-Gültigkeits-Checker in 60 Sekunden.

Vorlage herunterladen oder online anpassen

Sie haben zwei Wege, mit dieser Vorlage zu arbeiten:

Pflichtangaben-Checkliste (PDF)

Die Pflichtinhalte nach ISO 15609-1 als druckfertige Checkliste — zum Abhaken beim Ausfüllen der eigenen Vorlage.

Zur Checkliste →

Direkt im Editor erzeugen

Mit dem Online-Editor tragen Sie Werkstoff, Verfahren und Parameter ein — Pflichtfelder werden automatisch befüllt, WPQR-Abgleich und Validierung inklusive.

Kostenlos testen →

Häufige Fehler beim Ausfüllen

Aus der Audit-Praxis (EN 1090, ISO 3834) tauchen immer wieder dieselben Lücken in WPS auf:

  • Werkstoffgruppe fehlt: Ohne ISO/TR 15608-Gruppe ist die WPQR-Zuordnung nicht prüfbar.
  • Streckenenergie nur als Festwert: Praktisch unbrauchbar — die WPQR qualifiziert einen Parameterbereich. Wer in der WPS einen einzelnen Wert (z. B. „1,2 kJ/mm“) fixiert, verlässt ihn in der Fertigung bei der ersten Abweichung. Bereich angeben, der innerhalb der WPQR-Abdeckung liegt.
  • Schutzgas-Klassifikation fehlt: „Argon/CO₂“ ist keine Normangabe — erforderlich ist die M21/I1-Klasse nach ISO 14175.
  • WPQR-Verweis vergessen: Eine WPS ohne Bezug auf eine WPQR ist im Audit nicht bestätigungsfähig.
  • Vorwärmtemperatur ohne Herleitung: Ob und wie stark vorgewärmt werden muss, ergibt sich nach EN 1011-2:2001, Anhang C (Methode A oder B) aus dem Zusammenspiel von Kohlenstoffäquivalent (CET bzw. CEV), kombinierter Dicke, Wasserstoffgehalt des Zusatzes und Wärmeeinbringung — es gibt keine pauschale Dicken- oder CEV-Schwelle. Die zugrunde gelegte Methode und der ermittelte Wert gehören in die WPS.

Diese Punkte deckt die validierende Software automatisch ab — sehen Sie sich die Funktionen im Detail an.

Weiterführende Ratgeber