WPS Vorlage & Muster nach ISO 15609-1
Eine vollständig ausgefüllte Schweißanweisung (WPS) als Vorlage — für MAG-Schweißen an S355J2, inklusive aller Pflichtfelder nach ISO 15609-1. Direkt verwenden, im Online-Editor anpassen oder als PDF herunterladen.
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Ausgefülltes Muster einer WPS
Das folgende Muster zeigt eine vollständig ausgefüllte Schweißanweisung nach ISO 15609-1 für das MAG-Schweißen an S355J2. Es eignet sich als Vorlage für vergleichbare Schweißaufgaben im Stahl- und Maschinenbau — konkrete Parameter (Strom, Spannung, Geschwindigkeit) müssen vor dem Einsatz am eigenen Bauteil durch eine Verfahrensprüfung (WPQR nach ISO 15614-1) qualifiziert sein.
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SCHWEIßANWEISUNG (WPS)
nach ISO 15609-1
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1. HERSTELLERANGABEN
Firma: [Firmenname gemäß FPC]
WPS-Nr.: WPS-MAG-S355-001
Erstellt: [Datum]
Revision: 0
Freigabe: _________________ (Unterschrift Schweißaufsicht IWE/IWT/IWS)
2. SCHWEIßVERFAHREN
Verfahren: 135 (MAG-Schweißen) nach ISO 4063
Mechanisiert: Nein (Handschweißen)
Nahtart: Stumpfnaht (BW) und Kehlnaht (FW)
Einlagig/Mehrlagig: Mehrlagig
3. GRUNDWERKSTOFF
Material 1: S355J2 (EN 10025-2), Gruppe 1.2 nach ISO/TR 15608
Material 2: S355J2 (EN 10025-2), Gruppe 1.2 nach ISO/TR 15608
Dickenbereich: 5 - 20 mm (Stumpfnaht)
3 - 12 mm (Kehlnaht, a-Maß 3-7 mm)
4. SCHWEIßZUSATZ
Norm: ISO 14341-A
Typ: G 42 4 M21 3Si1 (Drahtsorte G3Si1)
Durchmesser: 1,0 mm
Lagerung: Trocken, > 5 °C, rel. Luftfeuchte < 60 %
5. SCHUTZGAS
Typ: M21 (Ar + 18 % CO₂) nach ISO 14175
Durchfluss: 12 - 15 l/min
6. SCHWEIßPOSITIONEN
PA, PB (Stumpfnaht)
PA, PB, PF (Kehlnaht)
7. SCHWEIßPARAMETER (Bereich nach WPQR)
Strom (Lage 1): 160 - 200 A
Spannung: 22 - 26 V
Drahtvorschub: 5,0 - 6,5 m/min
Vorschubgeschw.: 25 - 40 cm/min
Streckenenergie E: 0,8 - 1,8 kJ/mm
Pendelbewegung: keine (Stumpfnaht), 3-4 mm Amplitude (Kehlnaht)
8. VORWÄRM-/ZWISCHENLAGENTEMPERATUR
Vorwärmtemperatur: betriebseigener Wert, ermittelt nach EN 1011-2,
Anhang C (Beispielwert hier: ≥ 20 °C) — nicht
ungeprüft übernehmen
Zwischenlagentemp.: ≤ 200 °C (Stumpfnaht) / ≤ 250 °C (Kehlnaht)
9. WÄRMEBEHANDLUNG NACH DEM SCHWEIßEN (PWHT)
Nicht erforderlich für S355J2 in dieser Konfiguration.
10. QUALIFIZIERUNG / WPQR-ABGLEICH
Diese WPS wird durch folgende WPQR qualifiziert:
WPQR-Nr.: WPQR-MAG-S355-2025-04
Ausgestellt: SLV / akkreditierte Prüfstelle
Geltungsbereich: siehe WPQR nach ISO 15614-1
11. GENEHMIGUNG
Erstellt: _________________ Datum: ____.____.________
Geprüft (IWE): _________________ Datum: ____.____.________
Freigegeben: _________________ Datum: ____.____.________Pflichtfelder nach ISO 15609-1
Die ISO 15609-1 gibt einen verbindlichen Rahmen vor, welche Angaben eine Schweißanweisung enthalten muss (Pflichtfelder) und welche ergänzend empfohlen werden. Die folgende Übersicht fasst den vollständigen Pflichtinhalt für Lichtbogenschweißverfahren zusammen.
- Hersteller- und Identifikationsangaben: Firmenname, WPS-Nummer, Revision, Datum, Freigabe durch Schweißaufsichtsperson
- Schweißverfahren: Verfahrensnummer nach ISO 4063 (111/121/131/135/141/...), Einlagen-/Mehrlagenausführung
- Grundwerkstoff: Werkstoffbezeichnung, Werkstoffgruppe nach ISO/TR 15608, Dicken- und Durchmesserbereich
- Schweißzusatz: Norm, Typ, Durchmesser, Lagerungsbedingungen
- Schutzgas: Klassifikation nach ISO 14175 (z. B. M21, I1) und Durchflussbereich
- Schweißpositionen: PA, PB, PC, PD, PE, PF, PG, J-L (für Rohre) — zulässige Positionen aus der WPQR ableiten
- Schweißparameter: Strom, Spannung, Vorschubgeschwindigkeit, Streckenenergie (Bereiche, keine Festwerte)
- Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur: Mindest-Vorwärmtemperatur, maximale Zwischenlagentemperatur
- Wärmenachbehandlung (PWHT): falls zutreffend, Temperatur, Haltezeit
- Verweis auf qualifizierende WPQR: Verfahrensprüfzeugnis nach ISO 15614-1 (für Stahl)
Eine ausführliche Erläuterung jedes Pflichtfelds mit Praxisbeispielen finden Sie auf unserer ISO 15609-1-Übersichtsseite.
Pflicht: Abgleich mit gültigem WPQR
Eine WPS ist erst dann normkonform einsetzbar, wenn sie durch mindestens eine gültige WPQR (Verfahrensprüfzeugnis nach ISO 15614-1 für Stahl) gedeckt ist. Die WPS legt fest, was geschweißt werden soll; die WPQR weist nach, dass es funktioniert.
Praktische Konsequenzen:
- Werkstoff, Dickenbereich und Schweißposition der WPS müssen innerhalb des Geltungsbereichs (Gültigkeitsbereich) der qualifizierenden WPQR liegen.
- Schweißt der Betrieb regelmäßig Werkstoffkombinationen, die durch die vorhandenen WPQR nicht abgedeckt sind, muss eine neue Verfahrensprüfung beauftragt werden — typischerweise beim SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt) oder einer anderen akkreditierten Prüfstelle.
- Im Audit nach EN 1090 wird der WPQR-Abgleich regelmäßig geprüft. Wer ohne gültigen WPQR-Abgleich produziert, riskiert die Zertifizierung — und damit das CE-Kennzeichen am Bauteil.
Ob eine bestehende WPQR noch das abdeckt, was Sie schweißen wollen, prüfen Sie mit unserem WPQR-Gültigkeits-Checker in 60 Sekunden.
Vorlage herunterladen oder online anpassen
Sie haben zwei Wege, mit dieser Vorlage zu arbeiten:
Pflichtangaben-Checkliste (PDF)
Die Pflichtinhalte nach ISO 15609-1 als druckfertige Checkliste — zum Abhaken beim Ausfüllen der eigenen Vorlage.
Zur Checkliste →Direkt im Editor erzeugen
Mit dem Online-Editor tragen Sie Werkstoff, Verfahren und Parameter ein — Pflichtfelder werden automatisch befüllt, WPQR-Abgleich und Validierung inklusive.
Kostenlos testen →Häufige Fehler beim Ausfüllen
Aus der Audit-Praxis (EN 1090, ISO 3834) tauchen immer wieder dieselben Lücken in WPS auf:
- Werkstoffgruppe fehlt: Ohne ISO/TR 15608-Gruppe ist die WPQR-Zuordnung nicht prüfbar.
- Streckenenergie nur als Festwert: Praktisch unbrauchbar — die WPQR qualifiziert einen Parameterbereich. Wer in der WPS einen einzelnen Wert (z. B. „1,2 kJ/mm“) fixiert, verlässt ihn in der Fertigung bei der ersten Abweichung. Bereich angeben, der innerhalb der WPQR-Abdeckung liegt.
- Schutzgas-Klassifikation fehlt: „Argon/CO₂“ ist keine Normangabe — erforderlich ist die M21/I1-Klasse nach ISO 14175.
- WPQR-Verweis vergessen: Eine WPS ohne Bezug auf eine WPQR ist im Audit nicht bestätigungsfähig.
- Vorwärmtemperatur ohne Herleitung: Ob und wie stark vorgewärmt werden muss, ergibt sich nach EN 1011-2:2001, Anhang C (Methode A oder B) aus dem Zusammenspiel von Kohlenstoffäquivalent (CET bzw. CEV), kombinierter Dicke, Wasserstoffgehalt des Zusatzes und Wärmeeinbringung — es gibt keine pauschale Dicken- oder CEV-Schwelle. Die zugrunde gelegte Methode und der ermittelte Wert gehören in die WPS.
Diese Punkte deckt die validierende Software automatisch ab — sehen Sie sich die Funktionen im Detail an.