EN 1090 Zertifizierung: Ablauf für Schweißbetriebe
Wer tragende Stahl- oder Aluminiumbauteile als Bauprodukte in Verkehr bringt, braucht dafür eine zertifizierte werkseigene Produktionskontrolle. Dieser Überblick zeigt, welche Schritte zwischen der ersten Bestandsaufnahme und dem Zertifikat liegen — und welche Nachweise die Zertifizierungsstelle dabei sehen will.
Der Ablauf in sechs Schritten
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Geltungsbereich klären: Fällt das Bauteil unter EN 1090-1?
Am Anfang steht keine Anmeldung bei einer Zertifizierungsstelle, sondern eine Bestandsaufnahme: Welche Bauteile stellt der Betrieb her, sind sie tragend, und werden sie als Bauprodukte in Verkehr gebracht? Nur dafür greift EN 1090-1. Wer ausschließlich für den Eigenbedarf fertigt oder nicht tragende Teile liefert, hat eine andere Ausgangslage als ein Zulieferer von Tragkonstruktionen.
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Ausführungsklasse festlegen (EXC1–EXC4)
Die Ausführungsklasse ist keine Entscheidung des Schweißbetriebs, sondern Teil der Ausführungsspezifikation für das jeweilige Bauwerk. Sie bestimmt anschließend fast alles Weitere: den Umfang der Dokumentation, die zerstörungsfreie Prüfung und die schweißtechnischen Anforderungen. Ein Betrieb lässt sich deshalb für die Klassen zertifizieren, die zu seinen Aufträgen passen — nicht pauschal für die höchste.
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Schweißtechnische Voraussetzungen schaffen
Dazu gehören eine benannte Schweißaufsichtsperson mit den Aufgaben und Verantwortlichkeiten nach EN ISO 14731, qualifizierte Schweißer und Bediener sowie Schweißanweisungen (WPS) nach EN ISO 15609-1, die durch Verfahrensprüfungen — üblicherweise nach EN ISO 15614-1 — gedeckt sind. Welche Qualitätsanforderungen der Reihe EN ISO 3834 gelten, ergibt sich aus der Ausführungsklasse.
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Werkseigene Produktionskontrolle aufbauen und dokumentieren
EN 1090-1 verlangt in Abschnitt 6.3.1 eine eingerichtete, dokumentierte und aufrechterhaltene werkseigene Produktionskontrolle mit schriftlichen Verfahrensanweisungen und regelmäßigen Kontrollen und Prüfungen. Wer bereits ein System nach EN ISO 9001 betreibt, baut darauf auf: Die Norm erkennt das an, wenn es an ihre Anforderungen angepasst ist. In der Praxis entsteht hier das WPK-Handbuch mit den mitgeltenden Nachweisen.
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Erstinspektion durch die notifizierte Zertifizierungsstelle
Die Zertifizierungsstelle prüft im Werk, ob die werkseigene Produktionskontrolle so arbeitet, wie sie beschrieben ist. Welche Aufgaben dabei anfallen, listet EN 1090-1 in Tabelle B.1. Geprüft wird nicht nur das Handbuch, sondern die Spur von der Ausführungsspezifikation über WPS, Verfahrensprüfung und Schweißerqualifikation bis zum geprüften Bauteil — deshalb fallen Lücken hier auf, nicht in der Ordnerstruktur.
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WPK-Zertifikat, CE-Kennzeichnung und laufende Überwachung
Nach positiver Erstinspektion stellt die Stelle das Zertifikat der werkseigenen Produktionskontrolle aus (DVS 1711, Abschnitt 3.5.1). Erst damit ist der Hersteller berechtigt, die Leistungserklärung auszustellen und das Bauprodukt mit der CE-Kennzeichnung zu versehen (DVS 1711, Abschnitt 3.5.3). Die Registriernummer des Zertifikats trägt in der Mustervorlage des Merkblatts DVS 1711 (08/2016), Anlage 10 — dort ausdrücklich informativ — die Form XXXX-CPR-YYYY; die Vorlage nennt dazu im Kopf die Verordnung (EU) Nr. 305/2011 als Bezugsrahmen. Danach endet der Aufwand nicht: Die Zertifizierungsstelle überwacht die werkseigene Produktionskontrolle laufend (EN 1090-1, Tabelle ZA.3).
Wo Betriebe in der Erstinspektion aufgehalten werden
Die Norm-Anforderungen sind selten das Problem — die Zuordnung ist es. Eine Schweißanweisung liegt vor, aber die zugehörige Verfahrensprüfung deckt den Werkstoff oder die Blechdicke des Bauteils nicht ab. Eine Qualifikation ist abgelaufen, ohne dass es jemandem aufgefallen ist. Oder es kursieren zwei Fassungen derselben WPS, und niemand kann sagen, nach welcher gefertigt wurde.
Das sind keine fachlichen Fehler, sondern Führungslücken in der Dokumentation. Genau hier hilft es, Schweißanweisungen, Verfahrensprüfungen und Schweißerqualifikationen in einem System zu führen, das ihre Beziehung kennt — statt in drei getrennten Ordnerstrukturen. Schweißanweisungen digital erstellen und prüfen oder die Grundlagen der EN 1090 nachlesen.
Häufige Fragen
Wer stellt das EN-1090-Zertifikat aus?
Nicht der Betrieb selbst und auch nicht der Auftraggeber, sondern eine notifizierte Zertifizierungsstelle. Nach DIN EN 1090-1:2012-02, Tabelle ZA.3 zertifiziert sie die werkseigene Produktionskontrolle auf Grundlage einer Erstinspektion des Werks und der werkseigenen Produktionskontrolle sowie einer laufenden Überwachung. Das Zertifikat über die Konformität der WPK wird nach dem Merkblatt DVS 1711 (08/2016), Abschnitt 3.5.1, ausgestellt, nachdem die Bewertung der Erstinspektion zu einem positiven Ergebnis geführt hat. Davon zu unterscheiden ist das Schweißzertifikat: Für dessen Inhalt verweist dieselbe Stelle des Merkblatts auf Tabelle B.1 der EN 1090-1 — das ist der Wortlaut des DVS-Merkblatts; Tabelle B.1 der DIN EN 1090-1:2012-02 selbst führt die Aufgaben im Rahmen der Erstinspektion auf.
Was ist die werkseigene Produktionskontrolle (WPK)?
DIN EN 1090-1:2012-02 verlangt in Abschnitt 6.3.1, dass der Hersteller eine werkseigene Produktionskontrolle einrichtet, dokumentiert und aufrechterhält. Dazu gehören schriftliche Verfahrensanweisungen sowie regelmäßige Kontrollen und Prüfungen. Ein bestehendes Qualitätsmanagementsystem nach EN ISO 9001 kann diese Anforderung erfüllen, wenn es an die Anforderungen der EN 1090-1 angepasst ist.
Brauche ich für die EN-1090-Zertifizierung auch ISO 3834?
Die schweißtechnischen Qualitätsanforderungen führt EN 1090-2 nicht selbst aus, sondern über die Reihe EN ISO 3834. Welcher Teil einzuhalten ist, hängt an der Ausführungsklasse des Bauteils. Das Merkblatt DVS 1711 (08/2016) nennt in Abschnitt 3.5.1 entsprechend die Schweißzertifikate nach dem jeweils einzuhaltenden Teil der EN ISO 3834 als Bestandteil des Nachweises.
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